So, vor Jahresende will ich doch noch den Eintrag fertig stellen.
Schon in Lüneburg haben Rici und ich geplant zusammen nach Sansibar zu reisen. Rici ist gleich nach ihrer Bachelorarbeit aufgebrochen und für 3 Monate auf Sansibar. Ich hatte leider nur zwei Wochen Zeit und bin am Tag nach der Abgabe meiner Masterarbeit geflogen, also vom 8. – 22. November. Los ging’s mit der Lufthansa von Berlin nach Frankfurt und dann weiter mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba und Daressalam nach Zanzibar Town. In Frankfurt hatte ich 6 Stunden Aufenthalt den ich dazu genutzt habe mich mal wieder mit Antje zu treffen, die extra aus Wiesbaden zum Flughafen gefahren ist. Im Flieger nach Addis Abeba lernte ich Heike kennen, die auf dem Weg nach Uganda war um dort eine Behindertentagesstätte aufzubauen.
In Zanzibar angekommen bentragte ich ein Visa on arrival, was stressfrei verlief. Draußen vor dem kleinen Flughafen warteten etwa 20 erwartungsvoll grinsende Schlepper und zu meiner Erleichterung auch Rici. Sie war gerade angekommen und wir haben erstmal Wasser gekauft und dann auf unser Taxi gewartet. Wir wollten mit einem Freund von Rici fahren, dem sie noch einen Gefallen schuldete. Nach wiederholtem anrufen und etwa zwei stündigem Warten und vertröstet werden, erfuhren wir, dass das Auto liegen geblieben war. Stattdessen sind wir dann mit Marco, einem von Ricis Freunden, in einem anderen Taxi nach Kizimkazi gefahren, das Dorf in dem Rici damals FÖJ gemacht hat. Als wir an unserem Bungalow ankamen war es bereits dunkel. Dunkel bedeutet in Kizimkazi wirklich schwarze Nacht. Es gibt keine Straßenlaternen. Aber manche Häuser, vor allem wenn die Bewohner Abends Essen verkaufen, haben draußen eine Glühbirne. Aber auch die Brennen nicht immer, denn häufig wird nach Sonnenuntergang für ein, zwei Stunden der Strom abgeschaltet. Das liegt daran, dass Sansibar keinen eigenen Strom erzeugt, sondern vom Festland versorgt wird. Wird da der Strom knapp, wie es zur Zeit wegen Problemen mit den Wasserkraftwerken der Fall war, wird es auf Sansibar duster. In der Stadt wird der Strom jedoch seltener abgedreht als auf dem Dorf. Da es so wenig Licht gibt, wird man dementsprechend müde und wir sind oft schon um 9 Uhr schlafen gegangen. An dem Abend haben wir uns zuerst noch etwas zu Essen gekauft. Abends kochen viele Familien und bieten dann ihr Essen auf der Straße an. Für wenig Geld kann man sich dann etwas zu Essen aussuchen: Es gibt Reis mit Bohnen in Soße, verschiedene Brotsorten, frittierte Kartoffelbällchen und sogar Pommes. Das Brot wird übrigens normalerweise auch in der Pfanne frittiert statt im Ofen gebacken, weil nur wenige Menschen einen Ofen besitzen.
Unser Bungalow gehörte einem Freund von Rici und bestand aus einem Gebäude mit zwei Zimmern und Bad, in dem die Dusche jedoch erst angeschlossen werden musste. Wir hatten aber dafür noch ein Außenbad mit Waldblick. Die erste Nacht war krass laut, weil gerade noch Feiertag war und laute Musik aus der „Schweiz“, einem Treffpunkt der Jugendlichen zu uns rüber dröhnte. Die weiteren Nächte waren dafür sehr angenehm, man hat nur den Wind rauschen und die Grillen zirpen gehört. Auch tagsüber war es angenehm ruhig, was vielleicht auch daran lag, dass unser Bungalow am Ende des Dorfes an einem kleinen Abhang lag. Von dort hatten wir einen schönen Blick über das kleine Tal.
Sobald wir aber ins Dorf gegangen sind, waren an allen Ecken und Enden Menschen die Rici kannten und gebührend und ausführlich begrüßt werden wollten: „Mambo vipi?“ („Wie geht’s?“) – „Poa!“ („Super“). Rici wurde auch öfters gefragt, ob ich schon verheiratet sei. Nach einer Weile haben wir das einfach bejaht. Wo denn aber mein Ring sei? Natürlich Zuhause damit er nicht geklaut wird. Typische Gespräche mit Fremden und Bekannten liegen etwa so ab: „Wie geht’s? Sprichts du Suaheli? Aber deine Freundin spricht nicht Suaheli. Bring’ ihr mal Suaheli bei. Wie, sie ist nur zwei Wochen hier? Das macht doch nichts, sie kann ja nur ein bisschen lernen.“
Kizimkazi liegt direkt am Meer und ist bekannt für seine Delfintouren. Morgens kommen viele Touristen um mit den Booten zu den Delfinen zu fahren. Das geht aber nicht gerade tierfreundlich zu, wohl auch weil das Wissen über delfingerechten Tourismus fehlt. Als wir mitgefahren sind, sind auf vier Delfine sieben kleine Boote gekommen. Die Delfine sind eher vor uns weggeschwommen als zu uns hin. In Neuseeland bin ich ja auch mit Delfinen geschwommen, das ging aber weitaus professioneller zu und nicht auf Kosten der Tiere. Eine zweite Delfintour haben wir dann auch dankend abgelehnt.
Ricis Freund Omari arbeitet auch als Bootsfahrer und Tourguide und konnte uns für Freundschaftspreise zu den Touren mitnehmen. Er wollte uns gleich am nächsten Tag mitnehmen, aber da wollten wir lieber entspannen und unsere zwei Wochen planen. Also sind wir Freitag mitgefahren. Rici dachte wir würden auf dem Boot essen bekommen, also sind wir um halbsieben mit leerem Magen an den Strand gegangen. Zuerst wurden wir auf die Delfintour mitgenommen, bei der es aber leider kein Essen gab. Lange Boot fahren auf leeren Magen ist ungünstig, was auch manche Mitreisende festgestellt haben. Dank ausgiebigen Beobachtens der Küste konnten Rici und ich aber vermeiden die Fische zu füttern. Nach der Tour hatte ich eigentlich schon genug für den Tag. Sich zu verdrücken war aber umständlich, da zum Einen schon Omari mit einem anderen Boot und weiteren Touris auf uns wartete und zum Anderen hätten wir einen halben Kilometer durch seeigelverseuchtes Wasser laufen müssen, da vor der Küste eine Sandbank liegt über die die Schiffe bei Ebbe nicht kommen. Also ging’s weiter, was wir auch keinesfalls bereut haben. Wir sind zu einer Insel gefahren, zum Schnorcheln und spazieren gehen. Schließlich gab es Mittag auf einer Sandbank mitten im Meer. Ein toller Anblick und endlich Essen! Nachmittags sind wir noch an Mangroven vorbei gefahren, haben ein paar Kraniche und Affen gesehen und sind dann zurück nach Kizimkazi.
Den nächsten Tag war wieder Entspannung angesagt. Am Samstag haben wir eine Radtour nach Jambiani gemacht. Jambiani liegt an der Ostküste und es gibt eine Bungalowanlage, bei der nachmittags Affen aufkreuzen. Auf dem Hinweg hat es häufiger geregnet, will sagen, geschüttet, so dass wir einmal mit lauter Sansibaris in einem Häuschen an der Straße untergestellt haben und einmal in einer Art Forstbüro gelandet sind. Das war praktisch, weil Rici schon lange mal mit jemandem reden wollte, der sich mit dem (nicht vorhandenen) Wald auf Sansibar auskennt. Es gibt kaum noch Wald, die meisten Flächen sind verbuscht. Auch bei unserer Radtour gab es nur in der Nähe der Dörfer Bäume und ansonsten keine, also auch keinen Schatten. So war es ganz gut, dass es bewölkt war, und kalter Regen schadet bei der Hitze ja auch nicht. In Jambiani angekommen haben wir einen Spaziergang über die lange Sandbank gemacht, wo wir Algenbäuerinnen bei ihrer Arbeit beobachten konnten.
Zurück beim Bungalow haben wir gegessen, uns entspannt und wurden dann tatsächlich von den Affen besucht. Leider habe ich von denen keine scharfen Fotos. Die gleichen Affen gabe es aber auch ein paar Tage später im Jozani Wald. Auf dem Rückweg hat leider Ricis Rad den Geist aufgegeben. Irgendwie hat die Kette die Bewegung nicht aufs Rad übertragen. Ein paarmal konnten wir es Dank vorbei laufender Sansibaris reparieren (man nehme einen Stein und schlage damit auf das kaputte Teil ein). Aber irgendwann half auch das nicht mehr. Also haben wir bergauf geschoben und auf gerader Strecke habe ich Rici gezogen und sie später mich. Das war mir lieber und es ging letztendlich auch schneller als wenn wir wieder zurück ins letzte Dorf gegangen wären um das Rad zu reparieren. Ein besorgter älterer Sansibari aus Kizimkazi wollte uns den ganzen Weg begleiten, weil es bald dunkel würde. Er hat dann aber nach einer Weile gemerkt, dass Rici und ich mit Schieben, rollern, rollen und ziehen auch ganz gut vorankamen. Das war dann schon das zweite Mal, dass Rici auf einer Radtour das Rad kaputt ging. Mit ihren Eltern mussten sie auch den Platten ihres Vaters im Nachbardorf reparieren lassen.
Sonntag war wieder Ruhetag und Montag sind wir in den Jozani Forst gefahren. Der ist nichtmal orignaler Regenwald, aber der größte Wald auf Sansibar und in ihm leben auch viele Affen. Leider auch viele Mücken und weil wir nur so Naturzeugs mithatten, von dem wir bisher dachten es würde gut wirken, und ich nackte Beine hatte, war ich nach 20 Minuten Spaziergang mit Mückenstichen übersäät. 20 am linken und 20 am rechten Bein. Aber wie sagte Omari: Lass dich einfach stechen, die Mücken brauchen auch Blut. Aber für die Einheimischen ist Malaria auch so normal wie für uns eine Erkältung. Oft hört man: Ich fühle mich zur Zeit so schlapp, ich glaube, ich habe mal wieder Malaria. Absichtlich stechen lassen würde ich mich trotzdem nicht. So altruistisch bin ich dann doch nicht.
Nach unserem Besuch bei den Affen sind wir weiter zu einem Schmetterlingsmuseum gegangen und dann mit dem Bus zurück gefahren. Mit dem Bus kann man auch „Pakete“ schicken. Man schreibt einfach den Namen des Empfängers, den Ort und den Namen der Bushaltestelle gut sichtbar auf das Packet und gibt es dann dem Busfahrer gegen etwas Geld mit. In Kizimkazi selbst gibt es keine Post. Dafür muss man in den Nachbarort oder als Touri kann man vielleicht auch in den Hotels fragen.
In der Zeit in Kizimkazi lernte ich auch Ricis Gastmama Hadija kennen, die Näherin ist und mir auch zwei schöne Bettbezüge genäht hat. Rici hat sie sogar komplette Bettwäsche genäht. Die könnt ihr auf ihrem Blog sehen: http://reisegedoens.wordpress.com/ In dem Haus von Ricis Gastmama wohnen viele Kinder, weil es auf Sansibar so ist, dass man seine Kinder auch mal für ein oder zwei Monate bei Verwandten oder Freunden lässt, wenn man zum Beispiel woanders arbeiten muss. In dem Haus haben dann alle Mädchen und alle Jungs in je einem Zimmer geschlafen und die ganz kleinen Kinder im Zimmer von Hadija und ihrem Mann.
Am Mittwoch hieß es Abschied nehmen von Kizimkazi und wir sind mit dem Bus nach Stonetown gefahren. Dort sind wir im Flamingo Guesthouse untergekommen. Was die Stadt so interessant macht ist ihre Mischung aus Völkern und Religionen: Inder, Afrikaner und Araber, Muslime, Christen und Hindus teilen sich die Stadt. Die Menschen sind genauso kontakfreudig wie auf dem Dorf. Sie fragen einen zwar nicht direkt ob man schon verheiratet ist, aber sie sind ebenso anhänglich. Nachdem wir zwei Nächte und nett auf dem Nachtmarkt unterhalten hatten, wurden wir unsere neuen Freunde nur los indem wir fortan einen weiten Bogen um den Markt machen. „Ich gehe jetzt mit meinen Freunden hierhin und dorthin“ kombiniert mit einer fehlenden Einladung mitzukommen, wird dementsprechend auch nicht mit „ok, viel Spaß“ beantwortet, sondern mit „Wir gehen noch wo hin? Cool, wohin denn?“ Freunde machen ist hier leicht, sie wieder los zu werden nicht so. Einen von ihnen haben wir trotzdem als Tourguide angeheuert und haben am nächsten Tag mit ihm eine must-do Gewürztouren auf der Insel gemacht. Insgesamt haben Rici und mich auf der Tour unser Fahrer, unser eigentlicher Guide, der Guide von der Gewürztour und zwei weitere junge Männer begleitet, die aus Pflanzen allerlei Assecoires gebastelt haben.
Am Samstag war ich leider etwas krank, so dass wir nicht auf das stadtweite Taraab Konzert gehen konnten. Sonntag ging es mir aber wieder so gut, dass wir spontan eine Tour zur ehemaligen Gefängnisinsel gemacht haben. Tatsächlich wurde das Gefängnis nie als solches genutzt, sondern nur als Quarantänestation. Berühmt ist die Insel aber eigentlich wegen ihrer Riesenschildkröten, die in einem großen Gehege leben und tatsächlich gerne am Kopf gekrault werden. Geschnorchelt haben wir auch und sind dann schon Mittags wieder im Hotel angekommen.
Montag war es dann nochmal sehr heiß, was mich den Regen vermissen ließ. Ob man nun ein paar Stunden nichts machen kann, weil es regnet oder weil es zu heiß ist, macht auch nicht so den Unterschied. Und dann lieber Regen, weil es dann kühler ist. Abends waren wir dann doch bei einem kleinen Taraab Konzert. Leider war das Licht viel zu grell und die Soundmischung war schlecht, so dass man manche Instumente gar nicht gehört hat. Aber wenigstens habe ich „Tansanias größten Beitrag zur Weltmusik“ laut Lonely Planet gehört.
Um Mitternach ging es dann im Taxi zum Flughafen, der sehr altmodisch war. Die Flüge wurden einfach auf eine große Tafel geschrieben, die Waagen waren große mechanische Waagen und Rollbänder für die Koffer gab es natürlich auch nicht. Im Flughafen war die Klimaanlage viel zu kalt, sodass eine Mitreisende sie kurzerhand ausgeschaltet hat. Der Flieger war zwar von gewohnter Größe, aber nicht mit Turbinen, sondern mit Propellern auf den Flügeln. Da ich neben dem Flügel saß, musste ich mein Essenstablett festhalten, weil es ansonsten vom Klapptisch vibriert wäre. Zum Glück ging der Flug nur ein paar Stunden und von Addis Abeba aus hatte ich eine ganz normale Maschine. Zudem einen wolkenlosen Himmel, sodass ich Sahara, Nil, Mittelmeer und die Alpen bestaunen konnte. Nach nochmaligem Umsteigen in Frankfurt bin ich dann am Dienstagabend gut gelandet und wurde von Jasper am Flughafen abgeholt.
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